Heilige Messe: Das Opfer Christi

KURS: Das Heilige Messopfer
Teil 4: Das Opfer Christi

von Jean Elizabeth Seah und Sr. Gabriela Wozniak

Das Heilige Opfer der Messe wurde in den Opfern des Alten Testaments vorgezeichnet, die eine mehrwertige Bedeutung hatten. Tier- und Pflanzenopfer wurden verwendet, um für Sünden zu büßen, Gott Danksagung und Anbetung anzubieten und Bündnisse zu schließen, die in die Gemeinschaft mit dem Allmächtigen eintreten. Die Messe als das wahre Opfer des Kalvarienberges ist die Erfüllung und Vervollkommnung aller zuvor dargebrachten Opfer.

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Die Taten Gottes preisen

Schließlich sind das Passahopfer und das Mahlopfer die wichtigsten Archetypen der jüdischen Tradition, die Christus in die eucharistische Feier verwandelte. So wie Gott am Vorabend der Befreiung des Volkes Israel von der Sklaverei Ägyptens das Passahfest als Gedenken an Seine wundersamen Taten im Exodus einrichtete, so gab uns Jesus am Vorabend des Opfers seines Lebens ein Denkmal für dieses wunderbare Ereignis. Dies begründete eine neue unzerbrechliche Bundesbeziehung zwischen Gott und dem Menschen, eine Beziehung der Liebe, Freundschaft und des Erlasses der Sünde…. Was der Herr hier tut, ist eine prophetische Handlung, die er vornimmt, in Erwartung dessen, was am Kreuz geschehen wird, nämlich das eine und vollkommene Opfer, in dem Er sich selbst für die Rettung vieler opfern wird.

Außerdem müssen die Apostel an diesem Opferessen beteiligt sein, da es um ihrer selbst willen stattgefunden hat. Sie müssen dieses Geschenk mit-konsumieren. Das Passahfest ist nicht nur ein Denkmal für den Exodus, sondern das Gründungsereignis des jüdischen Volkes wird im Laufe der Liturgie in einem sehr realen Sinne präsent und aktuell gemacht. Es ist ein lebendiges Denkmal, das mit der Realität dessen gefüllt ist, woran es erinnert. Ebenso erinnern und erleben wir in der Messe den „Exodus“ Christi, seinen Übergang von dieser Welt zum Vater, den Gründungsereignissen des neuen Volkes Israel.

Noch unendlich viel mehr...

Christus ist das neue Passahlamm, dessen Blut sein Volk vor dem Tod bewahrt. Denn das unschuldige Lamm ohne Makel, war ein Prototyp unseres Erlösers Jesus Christus, des unschuldigen Lammes, von dem der heilige Johannes der Täufer Zeugnis ablegte. „Ecce agnus Dei qui tollit peccata mundi“ (Seht, das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt). Nach den Evangelien hat Jesus das letzte Abendmahl nicht beendet… Zumindest hat er es nicht im Abendmahlssaal beendet. Er hat es erst durch seinen Kreuzestod abgeschlossen.

Das Opfer Christi wird im Opfer der Messe fortgesetzt, weil sie sein Andenken am Leben erhält und die Früchte bringt, die den Gläubigen, die nach dem Vorbild Christi leben, ermöglicht, an seinem ewigen Opfer teilzunehmen und die Gnaden zu empfangen, die aus seinem Opfer hervorgehen. In der Messe werden uns die historischen Ereignisse des Lebens, des Todes und der Auferstehung Jesu gegenwärtig gemacht und sie verwandeln uns weit darüber hinaus, wozu die psychologische Erinnerung fähig ist. Die Messe ist mehr als die Erinnerung und Neuinszenierung der Passion: In der Eucharistiefeier ist das ganze Osterfest Christi gegenwärtig, d.h. Seine Inkarnation, Passion, Tod und Seine Auferstehung, Verherrlichung und die Herabkunft des Geistes – das ganze „Geheimnis der Erlösung“. So ist die Messe eschatologisch ein Geschmack der künftigen Herrlichkeit, soweit wir das Leben Christi teilen und am ewigen Leben des dreieinigen Gottes teilnehmen. Die Eucharistie setzt die Inkarnation fort…. Zu sagen, dass in der Eucharistie Brot und Wein bleiben, was sie sind und nur eine neue Bedeutung erlangen, würde der Logik der Inkarnation widersprechen. Christus war nicht nur ein Prophet, der den Weg zum Vater zeigte; er war der Weg zum Vater. Er vermittelte nicht nur die Wahrheit über Gott, er war das Wort Gottes. Der Gläubige kommt zum Vater, nicht durch den Weg und die Wahrheit, die durch Christus gekennzeichnet sind, sondern durch Christus selbst, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Die Messe ist ein Vorgeschmack auf den Himmel und die höchste Form des Gebets, das uns Christus am nächsten bringt und uns erlaubt, an seinem Heilswerk teilzunehmen.

Auf Christus hin

Die Opfer des Alten Testaments weisen alle auf das Opfer Christi hin, die Ursache der Erlösung der Menschheit. In der Messe werden die Opfer von Abel, Abraham und Melchisedek im römischen Kanon ausdrücklich erwähnt und das Passahlamm wird von den Agnus Dei angerufen. Wenn die Heilige Schrift uns sagt, dass die Opfergaben vor Gott ein süßer Geruch waren, dann deshalb, weil es sich um Prototypen des Opfers Christi, des Herrn, handelte. Die Messe ermöglicht es allen Generationen von Katholiken, an dem einen Opfer Christi teilzunehmen, und wendet Seine rettenden Verdienste auf einzelne Seelen an.

Heilige Messe: Das Opfer Abels

KURS: Das Heilige Messopfer
Teil 1: Das Opfer Abels und Kains

von Jean Elizabeth Seah und Sr. Gabriela Wozniak

Das Heilige Opfer der Messe wurde in den Opfern des Alten Testaments vorgezeichnet, die eine mehrwertige Bedeutung hatten. Tier- und Pflanzenopfer wurden verwendet, um für Sünden zu büßen, Gott Danksagung und Anbetung anzubieten und Bündnisse zu schließen, die in die Gemeinschaft mit dem Allmächtigen eintreten. Die Messe als das wahre Opfer des Kalvarienberges ist die Erfüllung und Vervollkommnung aller zuvor dargebrachten Opfer.

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Das unschuldige Blut

Das erste Opfer des Alten Testamentes ist das von Abel, der ein Hirte war. Er „bot dem Herrn, seinem Gott, mit wahrer Hingabe und als Anerkennung seiner Unterwerfung unter die göttliche Majestät, ein Schlachtopfer der Erstlinge seiner Herde an “ (siehe Genesis 4). Gott, der das Herz ansieht und die inneren Dispositionen der Menschen kennt, nahm sein Opfer an, das Opfer seines Bruders, Kain, lehnte er aber ab. Kain beneidete seinen Bruder Abel und tötete ihn. So war das erste aufgezeichnete Opfer mit der Vergießung von unschuldigem Blut verbunden, dem ersten Mord in der Geschichte der Menschheit. Ebenso bot sich Christus der gute Hirte demütig, treu, liebevoll und gehorsam als das vollkommene, makellose Lamm Gottes und das Erstgeborene der Schöpfung an. Seine Selbsthingabe war das Beste, was er dem Vater anbieten konnte. Er wurde gekreuzigt.

Das vollkommene Opfer Christi

In der Messe sind sowohl Abels als auch Kains Opfergaben sichtbar, die die Aufnahme der ganzen Schöpfung und der Menschheitsgeschichte in das Göttliche Opfer symbolisieren, das die Erde erneuert, die Sünde überwindet und uns ein neues, ewiges Leben schenkt. Kains Opfergabe aus den Früchten seines Gartens ist ein Prototyp jüdischer und katholischer Opfergaben von Brot und Wein, durch die wir Gott Seine eigene Schöpfung darbringen, unsere völlige Abhängigkeit vom Schöpfer anerkennen, schließlich Seine Großzügigkeit und die Güte Seiner Gaben loben. Wie Kain’s Opfergabe, die durch die Bewirtschaftung des Landes mit dem Schweiß Seiner Stirn erhalten wurde, wird unser durch das gemeinsame Werk der menschlichen Zivilisation beschafft. Abels würdiges Opfer ist darin erkennbar, was die Opfergaben von uns unwürdigen Sündern, die Opfer, die allein keine Erlösung verdienen können, in das vollkommene Opfer Christi, des Osterlammes, umgewandelt werden, das sowohl der göttliche Gärtner als auch der gute Hirte der Seelen ist.

Das rufende Blut

Wir lesen im Hebräerbrief:

Ihr seid vielmehr zum Berg Zion hingetreten, zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischenJerusalem, zu Tausenden von Engeln, zu einer festlichen Versammlung und zur Gemeinschaft der Erstgeborenen, die im Himmel verzeichnet sind; zu Gott, dem Richter aller, zu den Geistern der schon vollendeten Gerechten, zum Mittler eines neuen Bundes, Jesus, und zum Blut der Besprengung, das mächtiger ruft als das Blut Abels.“ (Hebr 12,24).

Der Verfasser erinnert hier der Gemeinde: Ihr seid erlöst! Ihr seid schon zum Heiligtum hingetreten!
Im Opfer Christi ruft nicht mehr unsere Sünde, nicht mehr das Blut Abels, das erste Blut, das von der Erde getrunken wurde.

Im Gen 4,10 heißt es: „Der Herr sprach: Was hast du getan? Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden“.  Für das rufende Blut des Abels verwendet die griechische Ausgabe des Alten Testamentes, die Septuaginta, das Wort φωνὴ – φωνέω heißt tatsächlich rufen, schreien; es hat etwas Dramatisches an sich. Dagegen spricht der Verfasser des Hebräerbriefes, das Blut Christi λαλοῦντι – es redet, es spricht. Das Reden des Blutes Christi ist also vollkommener als das Rufen, das Schreien des Blutes der Sünde. Das Blut Christi braucht keine lauten Töne, um die Kraft zu verdeutlichen. Das Sprechen des Blutes Christi ist mehr als das Schreien des in Folge einer Sünde vergossenen Blutes.

...Fortsetzung folgt!

Inkarnation: Die Fülle der Schöpfung

von Prof. Dr. Anton Štrukelj

Der Mensch wird als Krone der Schöpfung bezeichnet. Wenn aber nun Gott in seinem ewigen Wort und Sohn, Jesus Christus, Fleisch wird, dann der Titel dieses Aufsatzes berechtigt: Die Inkarnation ist die Fülle der Schöpfung.

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Der ganze Sinn des Wortes

Der Hymnus aus dem Kolosserbrief ist für unser Thema von zentraler Bedeutung (HIER den Hymnus lesen). Man sieht, dass hier nicht nur von der Schöpfung in Christus, sondern auch von der Erlösung in Ihm die Rede ist. Natürlich gehören beide Aspekte des einen allumfassenden Mysteriums zusammen, denn die Menschwerdung Christi ist auf sein Erlösungswerk ausgerichtet. Balthasar sagt oft sehr treffend: Das menschgewordene Wort Jesus Christus hat drei Silben: Menschwerdung – Tod – Kreuz und Auferstehung. Der ganze Sinn des Wortes versteht man erst, wenn auch die letzte Silbe des Wortes ausgesprochen wird.

Unter „Verbum – Caro“ („Das Wort ist Fleisch geworden“) ist nicht „Gotteswort“ gemeint, sondern einfach das Wort, wenn man Logos, Verbum, überhaupt mit dem verengenden „Wort“ übersetzen will. In „Logos“ liegt ebenso sehr „Sinn“, „Gedanke“, wie ausgesprochenes Wort. Die Aussagen des Neuen Testaments, dass Christus „der Erstgeborene der ganzen Schöpfung“, dass „alles durch ihn und auf ihn hin geschaffen“ ist und „alles in ihm seinen Bestand hat“ (Kol 1,15-17), dass Gott „den zum Erben des Alls eingesetzt hat“, „durch den er auch die Welt erschaffen hat“ (Hebr 1,2), dass „alles durch das Wort geschaffen wurde“ und „ohne das Wort nichts von dem wurde, was geworden ist“ (Joh 1,1-3), sind einzig aufgrund des Glaubens zu rechtfertigen, dass Jesus von Nazareth der ewige Sohn Gottes ist.

Die Offenbarung

Der trinitarische Gott ist kein nachträglich ausgeklügeltes Dogma, sondern offenbart sich unmittelbar im Faktum des Verbum-Caro. Deshalb kann dieses weltgeschichtliche Ereignis nur aufgrund einer trinitarischen Logik erfasst und ausgelegt werden. Was Gott in Christus für den Menschen leistet, ist alles andere als eine mündliche Beteuerung seiner Liebe, es ist eine allmächtige Tat. Der Logos mag noch so sehr als der „Erlöser“ von der Sünde in der Welt erscheinen, sein Menschwerden wird letztlich nicht von diesem Motiv bedingt, sondern durch die alles Weltliche übersteigende freie und großherzige Liebe Gottes. Die Bezeichnung „Logos“ für Jesus Christus meint im Alten Bund mehr als bloße „Rede“; sie bedeutet vielmehr einen totalen „Ausdruck“ Gottes mit dem Schwergewicht auf einer herrscherlichen Tat. Sein Fleischwerden ist die wesentliche Aussage, auf die alles ankommt, jenes kostbare Licht, worin man wandeln muss, solange es da ist, sonst überfällt uns Finsternis (vgl. Joh 12,35). In der Menschwerdung offenbart sich das Urbild als das vollkommenste Abbild. Als Verbum inspiratum schließlich bleibt der Logos in der Geschichte fortdauernd inkarniert, nämlich im Sprechen Gottes, durch das dem Menschen alles offenbart wird, da es ihm die Mitte der Geschichte erhellt.

Weil alles auf den Logos hin geschaffen ist, versteht Bonaventura die Schöpfung als das „Ursakrament“ des Glaubens. Der Kosmos ist nicht in sich schon eine Offenbarung Gottes, auch nicht Gottes Ebenbild, wohl aber trägt er die Spuren Gottes in sich – um sie weiß jeder, der Gottes Offenbarung kennt; deshalb ist das Buch der Heiligen Schrift zugleich auch der Schlüssel zur Erkenntnis des Kosmos. Das Zueinander der beiden „Bücher“ des Glaubens, der Schöpfung und der Heiligen Schrift, gehört auch zum Grundgepräge der neutestamentlichen Schöpfungstheologie. Der Menschensohn kam um alles auf sich hin zusammenzufassen, Himmel und Erde, Schöpfung und Menschheit. Dazu hat er sich dem Menschen auf innigste Weise gleichgestaltet, damit dieser aus der Ähnlichkeit mit dem Menschensohn zum Heil findet: mitgekreuzigt, mitbegraben, mitauferstanden, mitaufgefahren (vgl. Röm 6,3f.).

Die Menschwerdung

Mit der Menschwerdung Gottes wird eine neue (Zeit-)Geschichte des menschlichen Lebens offenbar. Das Leben Jesu selber ist klein und partikulär… von diesem partikulären Jesus bekennen wir, er sei von zentraler und universaler, eschatologischer und kosmischer Bedeutung. Denn mit der Menschwerdung des Gottessohnes ist Gott für immer in die Geschichte der Menschen eingegangen, so dass unsere Alltäglichkeit in die ewige Geschichte des dreifaltigen Lebens an- und aufgenommen ist.

Gehorsam

Gott hat den Menschen wunderbar geschaffen, aber noch wunderbarer erlöst (Exultet). Die größte Würde des Menschen liegt in seiner Ähnlichkeit mit dem Menschensohn begründet, der „das Bild des unsichtbaren Gottes“ ist (vgl. Kol 1,15; 2 Kor 4,4). Somit zeigt sich in der Menschheit Christi auch die göttliche Wirklichkeit des Menschen, der im Menschensohn seine ursprüngliche Würde wiedererhält. In der Menschwerdung des Logos wird eindeutig offenbar, dass die irdische Wirklichkeit Trägerin überirdischer Wirklichkeit ist. Der Logos, die Quelle göttlichen Lebens, wohnt der ganzen Schöpfung inne, alles in ihr nimmt seine Gestalt an. Auch das Leben des Menschen ist „worthaft“. Der Mensch hat jetzt schon, durch Glaube und Taufe, Anteil am göttlichen Leben und an all dem, was der ganzen Schöpfung verheißen ist.

Aber die Menschwerdung des Sohnes hat auch eine universale, kosmische Dimension: Durch den Eintritt des Menschensohnes in den Kosmos und seine Heimkehr zum Vater, wird zunächst der Gegensatz zwischen Zeit und Ewigkeit aufgehoben. Seit dem Eingehen des Menschensohnes in die Geschichte ist allem Geschaffenen eine Sakramentalität eigen. Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen der Kirche (derer Haupt Christus ist) und dem Kosmos (aus dem die Elemente der Schöpfung entstammen, die der Sakramentalität der Kirche gehören), aufgrund dieser Unterscheidung kann man aber sagen: Die Bestimmung des Wassers ist es, am Mysterium der Epiphanie und der Taufe Anteil zu geben, die des Holzes, im Kreuz aufzublühen… Auch die elementaren Akte des Lebens: Trinken, Essen, Wachsen… – sie alle erhalten durch Hineinnahme in die Liturgie ihre wahre Bestimmung wieder, nämlich „Bausteine lebendigen Tempels“ zu sein.

Es gibt nur einen Sinn.

Der letzte Sinn der Schöpfung wird uns letztlich erst von Jesus Christus her erschlossen. Gott der Schöpfer ist auch Gott der Erlöser und der Vollender seiner Geschöpfe. Es gibt kein Heil ohne erdhafte Entsprechung. Wenn uns der Schöpfer selbst geschenkt ist, wie würde uns nicht mit ihm zugleich die ganze Schöpfung mitgeschenkt? Durch Christus, in Christus und mit Christus sind wir die Mitarbeiter und Miterben am Reich Gottes. Dafür ist er gekommen und Mensch geworden.   

Die umfassende Liebe

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von Pater Aidan Nichols OP

In seiner Person, in Leben, Tod und Auferstehung, ist Jesus Christus die „Form Gottes“. Wie in den neutestamentlichen Schriften dargestellt, bilden die Worte, Handlungen und Leiden Jesu eine Einheit, die durch den „Stil“ der bedingungslosen Liebe zusammengehalten wird. Durch die Gestalt Christi strahlt also die Liebe, die Gott ist, auf die Welt durch. Das ist Balthasars grundlegende Intuition.

Die Intuition

Das Wort „Intuition“ ist hier richtig am Platz. Balthasar ist kein neutestamentlicher Gelehrter, nicht einmal ein (weitgehend) Autodidakt wie Schillebeeckx. Auch unternimmt er nach den hohen Ansprüchen von Schillebeeckx keinen sehr ernsthaften Versuch, moderne exegetische Studien in seine Christologie aufzunehmen. Seine etwas negative Einstellung zu vielen – aber keineswegs allen – aktuellen neutestamentlichen Studien folgt aus seiner Überzeugung, dass die Identifizierung von immer mehr Unterstrukturen, redaktionellen Rahmen, „Traditionen“, Perikopai, binären Korrespondenzen und anderen methodischen Elementen im Umfeld der Evangeliumskritik, in Fragmente zerreißt, was eine offensichtliche Einheit ist. Das Neue Testament ist eine Einheit, denn die Männer, die es geschrieben haben, waren alle von derselben Sache umgeworfen worden, nämlich von der Herrlichkeit Gottes vor Christus. So kann Balthasar provokativ sagen, dass die neutestamentliche Wissenschaft überhaupt keine Wissenschaft ist, verglichen mit der traditionellen Exegese, die ihr vorausging. Um eine Wissenschaft zu sein, musst du eine Methode haben, die deinem Objekt entspricht. Nur die kontemplative Lesung des Neuen Testaments ist der Herrlichkeit Gottes in Jesus Christus angemessen.

Kontemplation

Die Bedeutung des Kontemplationsbegriffes für Balthasars Annäherung an Christus zeigt sich daran, dass er seine Sichtweise der Wahrnehmung Gottes in Christus mit der Vorstellung vergleicht, ein Gemälde zu betrachten und zu sehen, was der Künstler in ihm getan hat. Im christlichen Glauben nimmt die fesselnde Kraft der „subjektive Beweis“) des Kunstwerks Christus unsere Vorstellungskraft in Anspruch; wir treten in die „malerische Welt“ ein, die sich daraus offenbart, und kommen, fasziniert von dem, was wir sehen, zur Betrachtung der Herrlichkeit der souveränen Liebe Gottes in Christus (der „objektive Beweis“), wie sie sich in den konkreten Ereignissen seines Lebens, seines Todes und seiner Auferstehung manifestiert. Wenn wir also in seine Herrlichkeit eintreten, werden wir von ihr absorbiert, aber gerade diese Absorption sendet uns in opfernder Liebe wie die Jesu in die Welt hinaus.

Das Geheimnis der Passion

Dies ist die Grundlage von Balthasars Christologie, aber ihr Inhalt ist eine Reihe von Meditationen über die Geheimnisse des Lebens Jesu. Seine Christologie ist sehr konkret und wurde suggestiv mit der Ikonographie von Andrei Rublev und Georges Roualt verglichen. Balthasar beschäftigt sich nicht besonders mit der ontologischen Zusammensetzung Christi, mit der hypostatischen Vereinigung und ihren Auswirkungen, es sei denn, diese sind unmittelbar an der Darstellung der Geheimnisse des Lebens beteiligt. In jedem großen Moment („Geheimnis“) des Lebens Jesu, sehen wir einen Aspekt der gesamten Gestalt Christi, und dadurch der Gestalt Gottes selbst. Obwohl Balthasar die erzählerische Einheit dieser Episoden betont, die auf dem Gehorsam beruht, der den göttlichen Sohn von der Inkarnation zur Leidenschaft führt, ist ein Gehorsam, der sein innertrinitarisches Wesen als Logos in unsere menschliche Sprache „übersetzt“, die kindliche Reaktionsfähigkeit auf den Vater. Sein Hauptinteresse ist sehr fest an einem ungewöhnlichen Ort angesiedelt. Dieser Ort ist das Geheimnis des Abstiegs Christi in die Hölle, den Balthasar ausdrücklich als „Zentrum der gesamten Christologie“ bezeichnet. Da der Abstieg der letzte Punkt ist, den die Kenose erreicht hat, und die Kenosis der höchste Ausdruck der innertrinitarischen Liebe ist, ist Christus des Karsamstags die vollkommenste Ikone dessen, wie Gott ist. Ohne die Kreuzigung auf ein bloßes Präludium zu verweisen, das im Leben Jesu und in seinen Wundern vorhanden ist, ist deshalb weit gefehlt! Balthasar sieht den Auferstandenen an Ostern deshalb nicht in erster Linie als den Gekreuzigten, sondern als denjenigen, der für uns in die Hölle hinabgestiegen ist. Die „aktive“ Passion des Karfreitags ist jedenfalls nicht vollständig ohne die „passive“ Passion des Karsamstags, die ihre Fortsetzung war. Die Liebe Christi erweist sich darin, dass Christus jede Konsequenz der Sünde auf sich genommen hat.

Der Abstieg

Balthasars Bericht über den Abstieg ist eine Welt fernab vom Konzept einer triumphalen Predigt bis zu dem, was fast alle traditionellen Berichte über den Abstieg in die Hölle ausmachen. Balthasar betont die Solidarität Christi mit den Toten, seine Passivität, seine Situation der totalen Selbstverfremdung und der Entfremdung vom Vater. Für Balthasar löst der Abstieg das Problem der Theodizee, indem er uns die Bedingungen zeigt, unter denen Gott unseren vorhergesagten Freiheitsmissbrauch akzeptiert hat: nämlich seinen eigenen Plan, unsere Selbstvernichtung in der Hölle zu sich zu nehmen. Es zeigt auch die Kostspieligkeit unserer Erlösung: Der göttliche Sohn hat die Erfahrung der Gottlosigkeit durchgemacht. Schließlich zeigt es, dass der vom Erlöser offenbarte Gott eine Trinität ist. Nur wenn der Geist, als „das Band der Liebe“ zwischen dem Vater und dem Sohn, Vater und Sohn in ihrer Entfremdung im Abstieg wiederherstellen kann, kann die Einheit des Offenbarten und Enthüllten erhalten bleiben. In dieser letzten Erniedrigung des „forma servi“ leuchtet das glorreiche „forma Die“ durch seinen tiefsten Ton der sich selbsthingebenden Liebe hindurch.

Die Auferstehung

Mysterium Paschale konnte jedoch kein Bericht über das österliche Geheimnis, das Geheimnis des Osterfestes, sein, es sei denn, es ging nach dem Schicksal des Gekreuzigten selbst weiter zur Annahme seines Opfers durch den Vater. Wir nennen die Wiedervereinigung Auferstehung, der Rückgang zum Vater. Obwohl die Rolle des leeren Grabes nicht überspielt wird – was schließlich ein Zeichen ist, mit all den Einschränkungen, die dieses Wort impliziert, beharrt Balthasar in einer Weise darauf, dass der Vater bei der Erhebung des Sohnes nicht auf die pure Zeugung zurückgreift, d.h. er erhebt den Sohn in Sichtbarkeit, anstatt ihn in den vorgeburtlichen Zustand des unsichtbaren Wortes zurückzubringen. Die Erscheinungen der Auferstehung sind keine visionären Erfahrungen, sondern persönliche Begegnungen, auch wenn die Auferstehung selbst durch kein Konzept, keinen Vergleich angemessen gedacht werden kann.

Die Kirche bleibt

Schließlich bietet Balthasar in seinem Bericht über die „typische“ Bedeutung so unterschiedlicher Zeugnisse der Auferstehung wie Petrus, Johannes und der Frauen eine tiefgründige Interpretation der Zusammensetzung der Kirche, die aus dem österlichen Geheimnis Christi hervorgegangen ist. In seiner Darstellung des Zusammenhangs zwischen den männlichen und weiblichen Elementen in der Gemeinschaft des Gekreuzigten und Auferstandenen – der Amtskirche und der Kirche der Liebe – bestätigt Balthasar, dass das, was die wahre Tiefe der Kirche ausmacht ist, wie der abschließende Abschnitt des Mysterium Paschale zeigt, ist die eheliche Reaktionsfähigkeit der Empfänglichkeit und des Gehorsams gegenüber dem Jesus Christus, der als Haupt der Kirche „immer wieder neu in sein eigenes Wesen diejenigen eintaucht, die er als seine Jünger aussendet“.
  Pater Aidan Nichols OP ist Priester und Theologe. Von 2006 bis 2008 war er der erste seit der Reformation Lehrbeauftragte für die Katholische Theologie an der Universität in Oxford. Derzeit Subprior des Dominikaner-Priorats St. Michael in Cambridge.  HIER der Wikipedia-Beitrag über ihn.