Hans Urs von Balthasar

1905-1988

Wer war er? 

Was hat er gemacht? 

Kurzbiographie

▼ Ausführliche Datenbiographie siehe unten ▼

Hans Urs von Balthasar zählt zu den einflussreichsten Theologen des 20. Jahrhunderts. Geboren1905 in Luzern, in einem katholischen Teil der Schweiz. Seine große Leidenschaft war die Musik. Schon als Jugendlicher hörte er gerne W. A. Mozart. Er studierte in Wien, Berlin und Zürich und promovierte 1928 mit einer Dissertation über das Thema: „Die Geschichte des eschatologischen Problems in der modernen deutschen Literatur“ (siehe HIER). 1929 trat er der Gesellschaft Jesu (Jesuiten) bei.

Sein Werk umfasst ca. 100 Bücher und hunderte Artikel. Er schrieb gegen jeden Reduktionismus des Menschen auf eine einzige Dimension, sowie gegen die rein menschlich moderne Zentrierung – das Geheimnis der Erlösung soll in der Mitte stehen! Er wollte die Christen zu einer theologischen und philosophischen Reflexion herausfordern. Seine Werke sind von Erich Przywara (+1972), Henri de Lubac (+1991) und von der Schweizer Mystikerin, Adrienne von Speyr geprägt. Balthasar baute aber auch auf das Fundament der langen kirchlichen Tradition. Die Kirchenväter spielten bei ihm eine große Rolle. Zusammen mit Henri de Lubac und Jean Daniélou versuchte er in seiner Theologie zurück zu kehren zur Schrift und zur Patristik.

1940 bekam er einen Lehrauftrag in Rom, er entschied sich jedoch nach Basel zu gehen um dort Studentenseelsorge zu betreiben. Hier begegnete er der Mystikerin Adrienne von Speyr (1902-1967). Adrienne, die früher evangelisch war, wurde unter seinem Einfluss katholisch. Die Beziehung entwickelte sich zur wirksamen Mitarbeit, die auch die Theologie Balthasars öfters geprägt hat. Zusammen gründeten sie 1944 das Säkularinstitut „Johannesgemeinschaft“.

1950 verließ Balthasar den Jesuitenorden und widmete sich der von ihm und Adrienne gegründeten Johannesgemeinschaft.

1972 gründete er zusammen mit H. de Lubac, J. Ratzinger und J. Deniélou die Internationale Katholische Zeitschrift „Communio“.

1961-1987 schrieb er sein wichtigstes theologisches Werk, die 16-bändige Trilogie: Herrlichkeit, Theodramatik und Theologik.

Er starb am 26. Juni 1988. Knappe vier Wochen davor war er von Papst Johannes Paul II. zum Kardinal ernannt worden und sollte am 27. Juni 1988 den Kardinalhut empfangen.

Sein Leben in Daten

© Hans Urs von Balthasar-Stiftung

1905

Geboren in Luzern am 12. August.

1917-23

Gymnasium der Benediktiner in Engelberg (4 Jahre) und in der Stella Matutina der Jesuiten in Feldkirch (2 1/2 Jahre).

1924

Eidgenössische Matura in Zürich (Fremdenabitur).

1924-27

Germanistikstudium in Zürich, Wien, Berlin und wieder in Wien. Studienabschluss in Zürich 1928.

1927

Dreissigtägige ignatianische Wahlexerzitien in Wyhlen bei Basel mit P. Friedrich Kronseder SJ.

1928

Promotion in Germanistik (magna cum laude) am 27. Oktober mit der Dissertation «Geschichte des eschatologischen Problems in der modernen deutschen Literatur», publiziert im Eigenverlag 1930.

1929

18. November: Beginn des Noviziats in der Gesellschaft Jesu in Tisis (Österreich).

1929-33

Nach der religiösen Ausbildung (1929–1931) zwei Jahre Philosophie in Pullach bei München. Begegnung mit P. Erich Przywara SJ.

1933-37

Theologische Studien in Lyon. Arbeit an «Apokalypse der deutschen Seele. Studien zu einer Lehre von letzten Haltungen». Begegnung mit P. Henri de Lubac SJ. Beginn der patristischen Arbeit: u.a. Augustinus, Irenäus, Origenes, Gregor von Nyssa, Maximus.

1938-39

Mitarbeit an der Zeitschrift «Stimmen der Zeit» München, vor allem als Rezensent. Publikation seiner «Apokalypse der deutschen Seele» bei A. Pustet, Salzburg

1940-48

Studentenseelsorger in Basel und zu Beginn auch Religionslehrer an den Städtischen Schulen. Zahlreiche Exerzitien- und Schulungskurse für Studenten und andere Gruppen

1940

Erste Begegnung mit Adrienne von Speyr. Dazu: «Erster Blick auf Adrienne von Speyr», Johannes Verlag, Einsiedeln 1968, 1989, und «Unser Auftrag. Bericht und Entwurf», Johannes Verlag, Einsiedeln 1984, 2004 Johannes Verlag Einsiedeln, Freiburg, «Unser Auftrag. Bericht und Weisung

1941

Mit Robert Rast († 1946) Gründung der Schulungsgemeinschaft (SG) und später der Akademischen Arbeitsgemeinschaft (AAG), die er bis 1980 als Geistlicher Leiter betreut hat.

1944

Im Mai beginnen die fast täglichen Diktate Adriennes von Speyr, im Dezember erscheint «Das Herz der Welt».

1945

Gründung der Johannesgemeinschaft (Zweig der Frauen).

1947

Da Adriennes Werke vorerst nirgends unterzubringen sind, gründet er mit seinem Freund Dr. Joseph Fraefel den Johannesverlag in Einsiedeln, der 1987 noch von Hans Urs von Balthasar selbst nach Deutschland verlegt werden musste, wo ihn nach seinem Tod die Johannesgemeinschaft nach seinen Plänen in Freiburg i.Br. weiterzuführen versucht.

1950

11. Februar: Entlassung aus der Gesellschaft Jesu. Beschäftigung und Kontaktnahme mit den Säkularinstituten (Weltgemeinschaften). Exerzitien und Schulungstage im In- und Ausland. Mit regelmässigen Vortragsreisen ermöglicht er sich jeweils einige Wochen intensive Arbeit am Schreibtisch. Es erscheint u.a. die erste Fassung der «Theologie der Geschichte» (die zweite massgebliche Fassung 1959).

1951

«Karl Barth. Darstellung und Deutung seiner Theologie» erscheint im Hegner Verlag, Köln, 21952 ebd., 31962 Summa Verlag, Olten, 41976 im Johannes Verlag, Einsiedeln. Ferner im selben Jahr «Der Christ und die Angst», «Schleifung der Bastionen» u.a.

1952-53

Begegnung mit Reinhold Schneider und ein erstes Buch über ihn: «Reinhold Schneider. Sein Weg und sein Werk» (1953). Die zweite veränderte und vermehrte Ausgabe «Nochmals Reinhold Schneider» erscheint erst nach dem Tod des Verfassers 1990.

1954

veröffentlicht H.U. von Balthasar seine umfangreiche Studie «Thomas von Aquin. Besondere Gnadengaben und die zwei Wege menschlichen Lebens». Kommentar zur Summa Theologica II–II, 171–182. Deutsch-Lateinische Thomas-Ausgabe Bd. 23. F.H. Kerle / A. Pustet, Heidelberg und Graz-Wien-Salzburg, S. 252–464. 1996 neu aufgelegt im Johannes Verlag Einsiedeln, Freiburg i. 
Br., unter dem Titel «Thomas und die Charismatik».

1955

Als Betrachtungshilfe für seine jungen Freunde in der SG und AAG wie auch für die werdende Johannesgemeinschaft verfasst er «Das betrachtende Gebet» sowie «Thessalonicher- und Pastoralbriefe für das betrachtende Gebet erschlossen». Ausserdem hat er in diesen und allen folgenden Jahren für dieselben Leute viele und immer neue Schriftbetrachtungen geschrieben oder diktiert.

1956

Auf Bitten seiner Freunde erfolgt am 2. Februar (in festo Purificationis BMV) seine Inkardination in die Diözese Chur durch Bischof Christianus Caminada.

1956

2. Juni: Großer Literaturpreis der Innerschweizer Kulturstiftung, Luzern.

1957

Erscheint neben vielen anderen Dingen seine «Einsame Zwiesprache. Martin Buber und das Christentum», 21993 neu aufgelegt vom Johannes Verlag Einsiedeln, Freiburg.

1958-59

Schwere Erkrankung Hans Urs von Balthasars mit langsamer Genesung

1960

Veröffentlichung der ersten beiden Bände der Skizzen zur Theologie: „Verbum Caro“ und „Sponsa Verbi“ 

1965

Beginn der theologischen Trilogie mit Teil I: Herrlichkeit. Eine theologische Ästhetik: Bd. 1: Schau der Gestalt. Ferner: Kosmische Liturgie. Das Weltbild Maximus des Bekenners. Zweite, völlig veränderte Auflage.

1961

28. März: Verleihung des Goldenen Kreuzes des hl. Berg Athos. Bei Anlass des 1000-Jahr-Jubiläums der griechisch-orthodoxen Mönchsrepublik gestiftete Auszeichnung für Verdienste um die Geschichte und Theologie der Orthodoxie und um den ökumenischen Dialog, verliehen durch Damaskinos Papandreou, Metropolit der Schweiz.
Zum 60. Geburtstag: am 8. Juli Dr. theol. h.c. der Universität Edinburgh, sowie der Universität Münster Wf.

1967

Tod Adriennes am 17. September;
am 17. Dezember: Dr. theol. h.c. Universität Fribourg/Schweiz.

1968

Umzug an die Arnold Böcklin-Strasse 42, 4051 Basel

1969

Ernennung zum Mitglied der Internationalen Theologen-Kommission (ITK) in Rom, der er bis zu seinem Tod angehört.

1971

17. März: Verleihung des Guardini-Preises der Katholischen Akademie in Bayern.

1972

Gründung der Internationalen katholischen Zeitschrift (IkZ) «Communio», zunächst der deutschen und italienischen Edition.

1975

20. Dezember: Gottfried-Keller-Preis der Martin-Bodmer-Stiftung, Zürich.

1980

5. September: Honorary Doctorate in Humane Letters of the Catholic University of America, Washington D.C.

1983

Gründung des Priesterzweiges der Johannesgemeinschaft.

1984

23. Juni: Premio internazionale Paolo VI, Roma.

1985

Internationales Symposium «Adrienne von Speyr und ihre kirchliche Sendung» in Rom. Vgl. Akten des Römischen Symposiums vom 27.–29. September 1985. Hrg. von H.U. von Balthasar, Georges Chantraine SJ, Angelo Scola, im Johannes Verlag, Einsiedeln 1986.

1987

22. Mai: Wolfgang-Amadeus-Mozart-Preis, Innsbruck.

1988

28. Mai: Ernennung zum Kardinal durch Johannes Paul II.
26. Juni: Tod in Basel.

0
Mensch
0
eigene Bücher
0
Übersetzungen
0
Aufsätze
0
Auswahlausgaben klassischer Autoren
0
herausgegebene Reihen