Buchrezension

Verkaufe alles und folge mir nach

Hans Urs von Balthasar.

Mit der Einleitung von Stefan Oster SDB 

Der Johannes-Verlag hat sich hinsichtlich der Bischofssynode zur Jugend entschieden, das Berufungsbüchlein Balthasars noch einmal aufzulegen. Der Titel des Bandes lautet „Verkaufe alles und folge mir nach“. Das Vorwort stammt vom deutschen Jugendbischof, Stefan Oster SDB. Was enthält das Büchlein und lohnt es sich, dieses in die Hand zu nehmen? Darüber sollen die nächsten Zeilen berichten.

Das Buch ist eine Zusammensetzung der schon früher veröffentlichten und doch nur in kleinen Kreisen bekannter Texte über die Theologie des Ordensstandes. Leicht kann man dahinter die Intention ablesen, die Texte in ein neues Licht zu stellen, sie dem heutigen Leser zu präsentieren, um sie zu entdecken. Fünf Texte, die ausschließlich vom Ordensstand handeln – kann man sie überhaupt noch dem heutigen Leser zumuten? Der Johannes-Verlag unternahm diese Probe, die Tiefe der geistlichen Berufung aus der Sicht Balthasars zu präsentieren.

In der Einleitung schreibt Bischof Stefan Oster, dass ein Grundspezifikum Balthasars seine geistliche Tiefe ist. Balthasar geht es nicht um Reklame, nicht um das Erwerben neuer Berufungen, sondern um ein immer tieferes Hineingehen in das Geheimnis des göttlichen Rufes an uns Menschen.  Der erste Text handelt von der Berufung insgesamt. Was macht sie aus? Wo kommt sie in der Bibel vor? Warum gibt es überhaupt so etwas, wie eine Berufung und was setzt sie voraus? Auf alle diese Fragen wird hier versucht, eine Antwort zu geben. Es ist ein guter Anfang, der ein Panorama von möglichen Perspektiven eröffnet und das Spektrum der Betrachtungsmöglichkeiten skizziert.

Der zweite Text: „Zur Theologie des Ordensgelübdes“ hat erstmals einen besonderen Sitz im Leben: Er wurde als Rede für die 3. Tagung der Novizenmeister monastischer Gemeinschaften in Deutschland geschrieben. Der Titel deutet schon die Grundausrichtung an, indem er alle Ordensgelübde auf einen Singular zurückführt. Es geht schließlich um eine einzige Ganzhingabe. Balthasar unterscheidet die religiöse Hingabe von der Weihe und dem Gelübde im vorchristlichen Raum, geht dann auf das neutestamentliche Verständnis ein, betrachtet kurz die Form der Lebensweihe in der Kirchengeschichte und zeigt die inhaltlichen Momente der Lebensweihe explizit auf. Schließlich bespricht er kurz das Verhältnis zwischen Gelübden und Räten. Das Ganze bietet also eine gut fundierte Betrachtung zum Thema „Lebenshingabe“.

Leser, die sich dennoch eine differenzierte Sicht erwarten, werden vom nächsten Text nicht enttäuscht: Er trägt den Titel „Die drei evangelischen Räte“. Sein Hauptanliegen ist, die Notwendigkeit der Räte – und zwar: genau DIESE drei Räte – aufzuzeigen. Gegen jene Tendenzen, die behaupten, sie seien eine erst spät entstandene kirchliche Erfindung, versucht hier Balthasar das Gegenteil zu beweisen. Das Fundament der Apostel, der Begriff der Ganzhingabe als Voraussetzung der Verfügbarkeit und des aufrichtigen Gottesdienstes, sowie die Dialektik zwischen Zu- und Abwendung zur Welt, sind ihm ein Instrumentarium hierfür. Obwohl das Räteleben für sich selbst Zeugnis ablegen könnte und allein durch seine innere Kohärenz eine Logik darstellt, scheint es für viele zumindest klärungsbedürftig, wenn nicht gar unverständlich. Es mag am fehlenden authentischen Zeugnis liegen, am Mangel an Überzeugung von denen, die ein solches Leben gewählt haben.

Der vierte Text „Vom Ordensstand“ versucht, die Bedrohung der Relativierung oder gar Auslöschung des Ordensstandes aus dem Weg zu räumen. Er weist auf die Mitte eines solchen Lebens hin: Auf Christus selber, der die Mysterien seiner Wahrheit den Auserwählten besonders offenbart. Das Ordensleben ist ein göttlicher Liebesauftrag, der eine Antwort erfordert, die die Erweckung aller Hingabekräfte motiviert. Im Kreuz – auch im täglichen Kreuz – ist schon die Verheißung des Paradieses real enthalten. Es kommt am deutlichsten in der Gestalt Mariens zum Vorschein. Schließlich ist es der Herr, der einen ruft. Man wählt nicht die Sendung, sie wird gegeben. Die Wahl erfolgt nur zwischen Gehorsam und Ungehorsam.

Als eine gewisse Zusammenfassung des Gesagten kann der letzte Text dienen: „Berufung – Neutestamentlich“. Balthasar betont noch einmal ausdrücklich den göttlichen Ursprung der Sendung und ihre christologische Fundierung. Von den zwölf Aposteln ausgehend, schaut er die christlichen Stände an und unterstreicht die Notwendigkeit des Radikalismus auf dem Weg der Nachfolge Christi. Schließlich: „Die Wurzel aller primären Berufungen garantiert auch die bleibende Einheit der Kirche“.

Das Büchlein „Verkaufe alles und folge mir nach“ ist keine leichte Sommerlektüre. Es ist keine zufällige Sammlung verschiedener Unterhaltungstexte oder lustiger Sprüche, die einem bessere Laune verleihen. Vielmehr fordert Balthasar den Leser heraus, sich der eigenen Sendung zu stellen, sie neu zu entdecken, aus der Mitte des Christlichen, aus dem Kreuz heraus darauf zu schauen. Für alle, die auf der Suche nach der Berufung sind und auf dem Weg mit „fester Speise“ gestärkt werden können, kann es somit zu einem wahren Schatz werden.

„Die Texte von Balthasars über das christliche Geheimnis einer Berufung zum geweihten Leben kreisen stets um die entscheidende Mitte: Es geht immer und in allem um Christus“ – schreibt Bischof S. Oster in der Einleitung. Wer diese Mitte nicht scheut, sondern tatsächlich nach Christus sucht und danach verlangt, seinen Willen zu tun, wird von dem neuen Büchlein nicht enttäuscht.

In der Einleitung schreibt Bischof Stefan Oster, dass ein Grundspezifikum Balthasars eine geistliche Tiefe ist. Balthasar geht es nicht um Reklame, nicht um Erwerben neuer Berufungen, sondern um ein immer tieferes Hineingehen in das Geheimnis des göttlichen Rufes an uns Menschen.  Der erste Text handelt von der Berufung insgesamt. Was macht sie aus? Wo kommt sie in der Bibel vor? Warum gibt es überhaupt so was, wie eine Berufung und was setzt sie voraus? Auf alle diese Fragen wird hier versucht, eine Antwort zu geben. Es ist ein guter Anfang, der eine Panorama der möglichen Perspektiven eröffnet und das Spektrum der Betrachtungsmöglichkeiten skizziert.

Der zweite Text: „Zur Theologie des Ordensgelübdes“ hat erstmals einen besonderen Sitz im Leben: Er wurde als Rede für die 3. Tagung der Novizenmeister monastischer Gemeinschaften Deutschland geschrieben. Der Titel deutet schon die Grundausrichtung an, indem er alle Ordensgelübde auf einen Singular zurückführt. Es geht schließlich um eine einzige Ganzhingabe. Balthasar unterscheidet die religiöse Hingabe von der Weihe und dem Gelübde im vorchristlichen Raum, geht dann auf das neutestamentliche Verständnis ein, betrachtet kurz die Form der Lebensweihe in der Kirchengeschichte und zeigt die inhaltlichen Momente der Lebensweihe explizit auf. Schließlich bespricht er kurz das Verhältnis zwischen Gelübden und Räten. Das Ganze bietet also eine gut fundierte Betrachtung zum Thema „Lebenshingabe“.

Leser, die sich dennoch eine differenzierte Sicht erwarten, werden vom nächsten Text nicht enttäuscht: Er trägt den Titel „Die drei evangelischen Räte“. Sein Hauptanliegen ist, die Notwendigkeit der Räte – und zwar: genau DIESEN drei Räten – aufzuzeigen. Gegen jene Tendenzen, die behaupten, sie seien eine erst spät entstandene kirchliche Erfindung, versucht hier Balthasar, das Gegenteil zu beweisen. Das Fundament der Apostel, der Begriff der Ganzhingabe als Voraussetzung der Verfügbarkeit und des aufrichtigen Gottesdienstes, sowie die Dialektik zwischen Zu- und Abwendung zur Welt, sind ihm ein Instrumentarium hierfür. Obwohl das Räteleben für sich selbst Zeugnis ablegen könnte und allein durch seine innere Kohärenz eine Logik darstellt, scheint es für viele zumindest klärungsbedürftig, wenn nicht gar unverständlich. Es mag am fehlenden authentischen Zeugnis liegen, am Mangel an Überzeugung denen, die ein solches Leben gewählt haben.

Der vierte Text „Vom Ordensstand“ versucht, die Bedrohung der Relativierung oder gar Auslöschung des Ordensstandes aus dem Weg zu räumen. Er weist auf die Mitte eines solchen Lebens hin: Auf Christus selber, der die Mysterien seiner Wahrheit den Auserwählten in einer besonderen offenbart. Das Ordensleben ist ein göttlicher Liebesauftrag, der eine Antwort erfordert, die die Erweckung aller Hingabekräfte motiviert. Im Kreuz – auch im täglichen Kreuz – ist schon die Verheißung des Paradieses real enthalten. Es kommt am deutlichsten in der Gestalt Mariens zum Vorschein. Schließlich ist es der Herr, der einen ruft. Man wählt nicht die Sendung, sie wird gegeben. Die Wahl erfolgt nur zwischen Gehorsam und Ungehorsam.

Als eine gewisse Zusammenfassung des Gesagten kann der letzte Text dienen: „Berufung – Neutestamentlich“. Balthasar betont nochmal ausdrücklich den göttlichen Ursprung der Sendung und ihre christologische Fundierung. Von den zwölf Aposteln ausgehend, schaut er die christlichen Stände an und unterstreicht die Notwendigkeit des Radikalismus auf dem Weg der Nachfolge Christi. Schließlich: „Die Wurzel aller primären Berufungen garantiert auch die bleibende Einheit der Kirche“.

Das Büchlein „Verkaufe alles und folge mir nach“ ist keine leichte Sommerlektüre. Es ist keine zufällige Sammlung verschiedener Unterhaltungstexten oder lustigen Sprüchen, die einem bessere Laune verleihen. Vielmehr fordert Balthasar den Leser heraus, sich der eigenen Sendung zu stellen, sie neu zu entdecken, aus der Mitte des Christlichen, aus dem Kreuz heraus zu schauen. Für alle, die auf der Suche nach der Berufung sind und auf dem Weg mit „fester Speise“ gestärkt werden können, kann es somit zu einem wahren Schatz werden.

„Die Texte von Balthasars über das christliche Geheimnis einer Berufung zum geweihten Leben kreisen stets um die entscheidende Mitte: Es geht immer und in allem um Christus“ – schreibt Bischof S. Oster in der Einleitung. Wer diese Mitte nicht scheut, sondern tatsächlich nach Christus sucht und danach verlangt, seinen Willen zu tun, wird von dem neuen Büchlein nicht enttäuscht.