Teil V: Ein Opfer der Kirche?

KURS: Das Heilige Messopfer
Teil 5: Das Opfer der Kirche?

von Jean Elizabeth Seah und Sr. Gabriela Wozniak

Wir haben gesehen, wie sich das Opfer der Eucharistie in verschiedenen Opfern des Alten Testamentes vorbildet. Etwa für den Autor des Hebräerbriefes durften diese Zusammenhänge noch klar sein. Die Kirchenväter nehmen ebenso das Alte Testament in Betracht, wenn sie von der Eucharistie sprechen. Hans Urs von Balthasar schafft es, aus diesem Hintergrund, sowie mit Hilfe seines umfassenden theodramatischen Konzeptes, die Eucharistie neu zu lesen: sie wird für einen jeden von uns lebendig und lebbar.

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Fragen über Fragen

In einem 1985 publizierten Artikel (siehe: IKaZ Communio 14/1985, S. 236-241) fragt Balthasar im Hinblick auf den Opfercharakter der Eucharistie: Inwiefern ist die Eucharistie als ein Opfer der Kirche anzusprechen? Er weist darauf hin, dass in der Eucharistie selbst mit der Bezeichnung „Opfer“ sowohl „diese heilige und makellose Opfergabe“ (hostia), als ein „Lobopfer“ (hostia laudis) gemeint ist. Was verbirgt sich aber unter diesen Bezeichnungen? Sind es die Gaben unserer Hände, oder schon das Opfer Christi, das in der Kirche vergegenwärtigt wird? Auch nach der Wandlung bleibt die Frage offen, ob die Kirche das Opfer Christi dem Vater „bloß dankbar darreicht“, oder ob sie sich mit dem Opfer Christi zusammen selbst opfert?

Das einmalige Opfer

Balthasar sieht die Notwendigkeit der Vor-Begründung des Opfers Christi im Alten Testament ein, er betont aber, dass die Einmaligkeit des Kreuzes schließlich alles Alttestamentliche hinter sich lassen muss, um das Besondere des Opfers Christi im vollen Glanz leuchten lassen zu können. Im Akt der Selbstopferung Christi – als das geschlachtete Lamm – zeigt sich als Erstes die unbegreifliche Liebe Gottes, die Christus zur stellvertretenden, freiwillig auf sich genommenen Sühne macht. Deshalb ist die Form der Eucharistie – als die unblutige Vergegenwärtigung des einst geschehenen Kreuzereignisses – nur ungenaues Wiedergeben des innersten Wesens. Es geht dabei weniger um eine rein leibliche Trennung von Leib und Blut, als um einen geistigen Zustand. Jesu Opfer war der größte Verzicht des Sohnes Gottes, der in intimster Nähe zum Vater lebt: Er nahm die Gottverlassenheit auf sich.

Das Opfer als Verzicht

In allen besprochenen Opfern des Alten Testamentes finden wir immer ein Konstitutivum: Opfer bedeutet Verzicht, man hat immer das Beste geopfert, bis hinein in die heroischste Absicht Abrahams. Gott ersetzte die menschliche Erstgeburt durch eine tierische, er schonte aber den eigenen Sohn nicht (vgl. Röm 8,32). Ist dieses größte Opfer zusammenzusetzen mit dem Wenigen, was die Kirche gibt? Selbst die Verzichte der ersten Gemeinde auf Eigenbesitz wären hier unwahrscheinlich klein, geschweige denn die sich daraus entwickelnde Messstipendien und Kollektensammlungen, die als Anteil des Volkes Gottes am Opfer der Kirche vielfach verstanden wurden. Aber hat dieses winzig kleine Opfer irgendwas noch mit dem Opfer Christi zu tun?

Christus selber nahm die Kirche, seinen Leib in sein Opfer mithinein: Für sie heilige ich mich (Joh 17,19). Das besagt ferner, dass jedes menschliche Leiden, das um Christi Willen angenommen wurde, nicht nur bloße Nachfolge bedeutet, sondern als Teilnahme an seinem Kreuzesopfer gewertet werden darf und soll.

Ein Opfer der Kirche

Erst aus dieser Sicht heraus kann man die Frage stellen, ob denn die Kirche nicht nur „mitgeopfert wird“, sondern ebenso aktiv „mitopfert“. Die Kirche als Ganzes und als je konkrete Gemeinde hat einen existenziellen Anteil am Opfer Christi, sowie sie schon Maria, dem Lieblingsjünger und anderen unter dem Kreuz zugemutet wird, auch wenn es nur Ja zu seinem Schmerz bedeutet. Darin kommt auch deutlich zum Ausdruck, dass die Eucharistie, wie ihre Verkündigung nicht ein bloß formeller, sondern vor allem ein existenzieller Akt der Kirche ist, dass folglich die Kirche das leistet, „was an den Leiden Christi noch fehlt“ (Kol 1,24), das heißt: all das „wofür der Gekreuzigte eine Stelle in seinem Leiden offengelassen hat: für das aktive Jawort von Maria, Johannes, Petrus und all derer, für die sei stehen“ (Balthasar).

Das liebende Ja soll also von der Kirche immer neu gesprochen werden, um einen alttestamentlichen legalistischen Opferbegriff hinter sich zu lassen und in ein Opfer der lebhaften Heiligkeit zu treten, so wie das Maurice de la Taille beschreibt:

„Schreit doch wirklich auf den Altären der Kirche Christi Blut, und es schreit durch unseren Mund und durch unser Herz in dem Maße, als ihm von uns eine Gelegenheit zum Schreien gewährt wird“.

Heilige Messe: Das Opfer Christi

KURS: Das Heilige Messopfer
Teil 4: Das Opfer Christi

von Jean Elizabeth Seah und Sr. Gabriela Wozniak

Das Heilige Opfer der Messe wurde in den Opfern des Alten Testaments vorgezeichnet, die eine mehrwertige Bedeutung hatten. Tier- und Pflanzenopfer wurden verwendet, um für Sünden zu büßen, Gott Danksagung und Anbetung anzubieten und Bündnisse zu schließen, die in die Gemeinschaft mit dem Allmächtigen eintreten. Die Messe als das wahre Opfer des Kalvarienberges ist die Erfüllung und Vervollkommnung aller zuvor dargebrachten Opfer.

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Die Taten Gottes preisen

Schließlich sind das Passahopfer und das Mahlopfer die wichtigsten Archetypen der jüdischen Tradition, die Christus in die eucharistische Feier verwandelte. So wie Gott am Vorabend der Befreiung des Volkes Israel von der Sklaverei Ägyptens das Passahfest als Gedenken an Seine wundersamen Taten im Exodus einrichtete, so gab uns Jesus am Vorabend des Opfers seines Lebens ein Denkmal für dieses wunderbare Ereignis. Dies begründete eine neue unzerbrechliche Bundesbeziehung zwischen Gott und dem Menschen, eine Beziehung der Liebe, Freundschaft und des Erlasses der Sünde…. Was der Herr hier tut, ist eine prophetische Handlung, die er vornimmt, in Erwartung dessen, was am Kreuz geschehen wird, nämlich das eine und vollkommene Opfer, in dem Er sich selbst für die Rettung vieler opfern wird.

Außerdem müssen die Apostel an diesem Opferessen beteiligt sein, da es um ihrer selbst willen stattgefunden hat. Sie müssen dieses Geschenk mit-konsumieren. Das Passahfest ist nicht nur ein Denkmal für den Exodus, sondern das Gründungsereignis des jüdischen Volkes wird im Laufe der Liturgie in einem sehr realen Sinne präsent und aktuell gemacht. Es ist ein lebendiges Denkmal, das mit der Realität dessen gefüllt ist, woran es erinnert. Ebenso erinnern und erleben wir in der Messe den „Exodus“ Christi, seinen Übergang von dieser Welt zum Vater, den Gründungsereignissen des neuen Volkes Israel.

Noch unendlich viel mehr...

Christus ist das neue Passahlamm, dessen Blut sein Volk vor dem Tod bewahrt. Denn das unschuldige Lamm ohne Makel, war ein Prototyp unseres Erlösers Jesus Christus, des unschuldigen Lammes, von dem der heilige Johannes der Täufer Zeugnis ablegte. „Ecce agnus Dei qui tollit peccata mundi“ (Seht, das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt). Nach den Evangelien hat Jesus das letzte Abendmahl nicht beendet… Zumindest hat er es nicht im Abendmahlssaal beendet. Er hat es erst durch seinen Kreuzestod abgeschlossen.

Das Opfer Christi wird im Opfer der Messe fortgesetzt, weil sie sein Andenken am Leben erhält und die Früchte bringt, die den Gläubigen, die nach dem Vorbild Christi leben, ermöglicht, an seinem ewigen Opfer teilzunehmen und die Gnaden zu empfangen, die aus seinem Opfer hervorgehen. In der Messe werden uns die historischen Ereignisse des Lebens, des Todes und der Auferstehung Jesu gegenwärtig gemacht und sie verwandeln uns weit darüber hinaus, wozu die psychologische Erinnerung fähig ist. Die Messe ist mehr als die Erinnerung und Neuinszenierung der Passion: In der Eucharistiefeier ist das ganze Osterfest Christi gegenwärtig, d.h. Seine Inkarnation, Passion, Tod und Seine Auferstehung, Verherrlichung und die Herabkunft des Geistes – das ganze „Geheimnis der Erlösung“. So ist die Messe eschatologisch ein Geschmack der künftigen Herrlichkeit, soweit wir das Leben Christi teilen und am ewigen Leben des dreieinigen Gottes teilnehmen. Die Eucharistie setzt die Inkarnation fort…. Zu sagen, dass in der Eucharistie Brot und Wein bleiben, was sie sind und nur eine neue Bedeutung erlangen, würde der Logik der Inkarnation widersprechen. Christus war nicht nur ein Prophet, der den Weg zum Vater zeigte; er war der Weg zum Vater. Er vermittelte nicht nur die Wahrheit über Gott, er war das Wort Gottes. Der Gläubige kommt zum Vater, nicht durch den Weg und die Wahrheit, die durch Christus gekennzeichnet sind, sondern durch Christus selbst, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Die Messe ist ein Vorgeschmack auf den Himmel und die höchste Form des Gebets, das uns Christus am nächsten bringt und uns erlaubt, an seinem Heilswerk teilzunehmen.

Auf Christus hin

Die Opfer des Alten Testaments weisen alle auf das Opfer Christi hin, die Ursache der Erlösung der Menschheit. In der Messe werden die Opfer von Abel, Abraham und Melchisedek im römischen Kanon ausdrücklich erwähnt und das Passahlamm wird von den Agnus Dei angerufen. Wenn die Heilige Schrift uns sagt, dass die Opfergaben vor Gott ein süßer Geruch waren, dann deshalb, weil es sich um Prototypen des Opfers Christi, des Herrn, handelte. Die Messe ermöglicht es allen Generationen von Katholiken, an dem einen Opfer Christi teilzunehmen, und wendet Seine rettenden Verdienste auf einzelne Seelen an.

Heilige Messe: Das Dankopfer

KURS: Das Heilige Messopfer
Teil 2: Das Dankopfer

von Jean Elizabeth Seah und Sr. Gabriela Wozniak

Das Heilige Opfer der Messe wurde in den Opfern des Alten Testaments vorgezeichnet, die eine mehrwertige Bedeutung hatten. Tier- und Pflanzenopfer wurden verwendet, um für Sünden zu büßen, Gott Danksagung und Anbetung anzubieten und Bündnisse zu schließen, die in die Gemeinschaft mit dem Allmächtigen eintreten. Die Messe als das wahre Opfer des Kalvarienberges ist die Erfüllung und Vervollkommnung aller zuvor dargebrachten Opfer.

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Das erste Dankopfer: Noahs Bund mit Gott

Das zweite bedeutende Opfer war das von Noah (Gen 8-9). Seine Familie und Vertreter der einzelnen Tierarten wurden durch den Schutz der von ihm gebauten Arche gerettet. Nachdem er die katastrophale Überschwemmung überlebt hatte, die die Welt von der Sünde reinwusch, baute er einen Altar, als er das Festland erreichte, und bot Gott ein Brandopfer als Dankopfer an. Die Brandopfer sind diejenige Opfer, bei denen das ganze Opfer durch Feuer auf dem Altar Gottes verzehrt wurde und kein Teil dem Gebrauch von Priestern oder Menschen vorbehalten war.

Gott war erfreut über Noahs Opfer und schloss einen Bund, in dem er verspricht, die Menschheit nie wieder durch eine Flut auszulöschen. Gott befahl Noah und seinen Nachkommen, fruchtbar zu sein, sich zu mehren und die Erde zu füllen.

Das neue Dankopfer

Ebenso bietet sich Jesus nach seiner Auferstehung von den Toten in der Eucharistie, im Dankopfer als Opfer dar. Die Heilige Messe ist somit ein Dankopfer für den Sieg über den Tod und für die Befreiung des neuen Volkes Israel vom Ertrinken in der Sünde.

Das Dankopfer (Toda) entwickelte sich später zu einem eigenen Ritus. Es beginnt damit, an eine tödliche Bedrohung zu erinnern und feiert dann die Befreiung des Menschen von dieser Bedrohung durch Gott. Bevor Jesus das Brot in Emmaus brach, erklärte er, wie sich die Schrift in Seiner Passion erfüllte. Sowohl in der Feier des alttestamentlichen Dankopfers, wie auch in der Eucharistie wird die Anbetung Gottes im Wort und im Mahl zum Ausdruck gebracht. Darüber hinaus beinhaltet ein Dankopfer, wie die Messe, ein unblutiges Opfer von ungesäuertem Brot und Wein.  Die jüdischen Rabbiner prophezeiten, dass bei der Ankunft des Messias alle Opfer enden würden, außer dem des Toda, der ewig andauern würde. Am Ende jeder Messe wird uns befohlen, auszugehen und die Frohe Botschaft zu verbreiten, damit alle Nationen getauft und die Kinder Gottes vermehrt werden können und in der Arche der Barke Petri gerettet werden. Das Opfer gewinnt seine eigentliche Bedeutung: Die Rettung der Menschheit im Schiff der Kirche.

Die maximale Liebe

Gott ist unendlich erfreut über Jesu Opfer. Er begründet einen Neuen Bund, der die Menschheit vor den ewigen Auswirkungen der Sünde erlöst. Der heilige Anselm schrieb: „Christus hätte uns erlösen können, indem er einen einzigen Tropfen seines kostbaren Blutes vergossen hat“. Göttliche Gerechtigkeit hätte besänftigt werden können, der Sturz des Menschen und all unsere nachfolgenden Sünden – von Kains Abschlachtung Abels bis hin zum Massenmord an Europas Juden – hätten durch das Blut, das Jesus vergossen hat bei seiner Beschneidung ausgelöscht werden können.

Jesus hat sich aber so entleert hat, um die Unermesslichkeit Seiner Liebe zu zeigen, um unseren Blick auf die geheime Liebe der Dreifaltigkeit zu lenken… Christus wollte keine minimale Antwort geben, keinen sparsamen, aber fairen Tausch eines Tropfens des Blutes des Gottmenschen gegen die Milliarden von kleinen Verwahrlosungen, die wir jeden Tag auftürmen. Stattdessen überwältigt Er uns, sprengt unsere Vorstellungen und bietet uns im Kreuz ein Schauspiel, das Tausende Jahren der Kontemplation nicht erschöpfen können.

Heilige Messe: Das Opfer Abels

KURS: Das Heilige Messopfer
Teil 1: Das Opfer Abels und Kains

von Jean Elizabeth Seah und Sr. Gabriela Wozniak

Das Heilige Opfer der Messe wurde in den Opfern des Alten Testaments vorgezeichnet, die eine mehrwertige Bedeutung hatten. Tier- und Pflanzenopfer wurden verwendet, um für Sünden zu büßen, Gott Danksagung und Anbetung anzubieten und Bündnisse zu schließen, die in die Gemeinschaft mit dem Allmächtigen eintreten. Die Messe als das wahre Opfer des Kalvarienberges ist die Erfüllung und Vervollkommnung aller zuvor dargebrachten Opfer.

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Das unschuldige Blut

Das erste Opfer des Alten Testamentes ist das von Abel, der ein Hirte war. Er „bot dem Herrn, seinem Gott, mit wahrer Hingabe und als Anerkennung seiner Unterwerfung unter die göttliche Majestät, ein Schlachtopfer der Erstlinge seiner Herde an “ (siehe Genesis 4). Gott, der das Herz ansieht und die inneren Dispositionen der Menschen kennt, nahm sein Opfer an, das Opfer seines Bruders, Kain, lehnte er aber ab. Kain beneidete seinen Bruder Abel und tötete ihn. So war das erste aufgezeichnete Opfer mit der Vergießung von unschuldigem Blut verbunden, dem ersten Mord in der Geschichte der Menschheit. Ebenso bot sich Christus der gute Hirte demütig, treu, liebevoll und gehorsam als das vollkommene, makellose Lamm Gottes und das Erstgeborene der Schöpfung an. Seine Selbsthingabe war das Beste, was er dem Vater anbieten konnte. Er wurde gekreuzigt.

Das vollkommene Opfer Christi

In der Messe sind sowohl Abels als auch Kains Opfergaben sichtbar, die die Aufnahme der ganzen Schöpfung und der Menschheitsgeschichte in das Göttliche Opfer symbolisieren, das die Erde erneuert, die Sünde überwindet und uns ein neues, ewiges Leben schenkt. Kains Opfergabe aus den Früchten seines Gartens ist ein Prototyp jüdischer und katholischer Opfergaben von Brot und Wein, durch die wir Gott Seine eigene Schöpfung darbringen, unsere völlige Abhängigkeit vom Schöpfer anerkennen, schließlich Seine Großzügigkeit und die Güte Seiner Gaben loben. Wie Kain’s Opfergabe, die durch die Bewirtschaftung des Landes mit dem Schweiß Seiner Stirn erhalten wurde, wird unser durch das gemeinsame Werk der menschlichen Zivilisation beschafft. Abels würdiges Opfer ist darin erkennbar, was die Opfergaben von uns unwürdigen Sündern, die Opfer, die allein keine Erlösung verdienen können, in das vollkommene Opfer Christi, des Osterlammes, umgewandelt werden, das sowohl der göttliche Gärtner als auch der gute Hirte der Seelen ist.

Das rufende Blut

Wir lesen im Hebräerbrief:

Ihr seid vielmehr zum Berg Zion hingetreten, zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischenJerusalem, zu Tausenden von Engeln, zu einer festlichen Versammlung und zur Gemeinschaft der Erstgeborenen, die im Himmel verzeichnet sind; zu Gott, dem Richter aller, zu den Geistern der schon vollendeten Gerechten, zum Mittler eines neuen Bundes, Jesus, und zum Blut der Besprengung, das mächtiger ruft als das Blut Abels.“ (Hebr 12,24).

Der Verfasser erinnert hier der Gemeinde: Ihr seid erlöst! Ihr seid schon zum Heiligtum hingetreten!
Im Opfer Christi ruft nicht mehr unsere Sünde, nicht mehr das Blut Abels, das erste Blut, das von der Erde getrunken wurde.

Im Gen 4,10 heißt es: „Der Herr sprach: Was hast du getan? Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden“.  Für das rufende Blut des Abels verwendet die griechische Ausgabe des Alten Testamentes, die Septuaginta, das Wort φωνὴ – φωνέω heißt tatsächlich rufen, schreien; es hat etwas Dramatisches an sich. Dagegen spricht der Verfasser des Hebräerbriefes, das Blut Christi λαλοῦντι – es redet, es spricht. Das Reden des Blutes Christi ist also vollkommener als das Rufen, das Schreien des Blutes der Sünde. Das Blut Christi braucht keine lauten Töne, um die Kraft zu verdeutlichen. Das Sprechen des Blutes Christi ist mehr als das Schreien des in Folge einer Sünde vergossenen Blutes.

...Fortsetzung folgt!

Die umfassende Liebe

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von Pater Aidan Nichols OP

In seiner Person, in Leben, Tod und Auferstehung, ist Jesus Christus die „Form Gottes“. Wie in den neutestamentlichen Schriften dargestellt, bilden die Worte, Handlungen und Leiden Jesu eine Einheit, die durch den „Stil“ der bedingungslosen Liebe zusammengehalten wird. Durch die Gestalt Christi strahlt also die Liebe, die Gott ist, auf die Welt durch. Das ist Balthasars grundlegende Intuition.

Die Intuition

Das Wort „Intuition“ ist hier richtig am Platz. Balthasar ist kein neutestamentlicher Gelehrter, nicht einmal ein (weitgehend) Autodidakt wie Schillebeeckx. Auch unternimmt er nach den hohen Ansprüchen von Schillebeeckx keinen sehr ernsthaften Versuch, moderne exegetische Studien in seine Christologie aufzunehmen. Seine etwas negative Einstellung zu vielen – aber keineswegs allen – aktuellen neutestamentlichen Studien folgt aus seiner Überzeugung, dass die Identifizierung von immer mehr Unterstrukturen, redaktionellen Rahmen, „Traditionen“, Perikopai, binären Korrespondenzen und anderen methodischen Elementen im Umfeld der Evangeliumskritik, in Fragmente zerreißt, was eine offensichtliche Einheit ist. Das Neue Testament ist eine Einheit, denn die Männer, die es geschrieben haben, waren alle von derselben Sache umgeworfen worden, nämlich von der Herrlichkeit Gottes vor Christus. So kann Balthasar provokativ sagen, dass die neutestamentliche Wissenschaft überhaupt keine Wissenschaft ist, verglichen mit der traditionellen Exegese, die ihr vorausging. Um eine Wissenschaft zu sein, musst du eine Methode haben, die deinem Objekt entspricht. Nur die kontemplative Lesung des Neuen Testaments ist der Herrlichkeit Gottes in Jesus Christus angemessen.

Kontemplation

Die Bedeutung des Kontemplationsbegriffes für Balthasars Annäherung an Christus zeigt sich daran, dass er seine Sichtweise der Wahrnehmung Gottes in Christus mit der Vorstellung vergleicht, ein Gemälde zu betrachten und zu sehen, was der Künstler in ihm getan hat. Im christlichen Glauben nimmt die fesselnde Kraft der „subjektive Beweis“) des Kunstwerks Christus unsere Vorstellungskraft in Anspruch; wir treten in die „malerische Welt“ ein, die sich daraus offenbart, und kommen, fasziniert von dem, was wir sehen, zur Betrachtung der Herrlichkeit der souveränen Liebe Gottes in Christus (der „objektive Beweis“), wie sie sich in den konkreten Ereignissen seines Lebens, seines Todes und seiner Auferstehung manifestiert. Wenn wir also in seine Herrlichkeit eintreten, werden wir von ihr absorbiert, aber gerade diese Absorption sendet uns in opfernder Liebe wie die Jesu in die Welt hinaus.

Das Geheimnis der Passion

Dies ist die Grundlage von Balthasars Christologie, aber ihr Inhalt ist eine Reihe von Meditationen über die Geheimnisse des Lebens Jesu. Seine Christologie ist sehr konkret und wurde suggestiv mit der Ikonographie von Andrei Rublev und Georges Roualt verglichen. Balthasar beschäftigt sich nicht besonders mit der ontologischen Zusammensetzung Christi, mit der hypostatischen Vereinigung und ihren Auswirkungen, es sei denn, diese sind unmittelbar an der Darstellung der Geheimnisse des Lebens beteiligt. In jedem großen Moment („Geheimnis“) des Lebens Jesu, sehen wir einen Aspekt der gesamten Gestalt Christi, und dadurch der Gestalt Gottes selbst. Obwohl Balthasar die erzählerische Einheit dieser Episoden betont, die auf dem Gehorsam beruht, der den göttlichen Sohn von der Inkarnation zur Leidenschaft führt, ist ein Gehorsam, der sein innertrinitarisches Wesen als Logos in unsere menschliche Sprache „übersetzt“, die kindliche Reaktionsfähigkeit auf den Vater. Sein Hauptinteresse ist sehr fest an einem ungewöhnlichen Ort angesiedelt. Dieser Ort ist das Geheimnis des Abstiegs Christi in die Hölle, den Balthasar ausdrücklich als „Zentrum der gesamten Christologie“ bezeichnet. Da der Abstieg der letzte Punkt ist, den die Kenose erreicht hat, und die Kenosis der höchste Ausdruck der innertrinitarischen Liebe ist, ist Christus des Karsamstags die vollkommenste Ikone dessen, wie Gott ist. Ohne die Kreuzigung auf ein bloßes Präludium zu verweisen, das im Leben Jesu und in seinen Wundern vorhanden ist, ist deshalb weit gefehlt! Balthasar sieht den Auferstandenen an Ostern deshalb nicht in erster Linie als den Gekreuzigten, sondern als denjenigen, der für uns in die Hölle hinabgestiegen ist. Die „aktive“ Passion des Karfreitags ist jedenfalls nicht vollständig ohne die „passive“ Passion des Karsamstags, die ihre Fortsetzung war. Die Liebe Christi erweist sich darin, dass Christus jede Konsequenz der Sünde auf sich genommen hat.

Der Abstieg

Balthasars Bericht über den Abstieg ist eine Welt fernab vom Konzept einer triumphalen Predigt bis zu dem, was fast alle traditionellen Berichte über den Abstieg in die Hölle ausmachen. Balthasar betont die Solidarität Christi mit den Toten, seine Passivität, seine Situation der totalen Selbstverfremdung und der Entfremdung vom Vater. Für Balthasar löst der Abstieg das Problem der Theodizee, indem er uns die Bedingungen zeigt, unter denen Gott unseren vorhergesagten Freiheitsmissbrauch akzeptiert hat: nämlich seinen eigenen Plan, unsere Selbstvernichtung in der Hölle zu sich zu nehmen. Es zeigt auch die Kostspieligkeit unserer Erlösung: Der göttliche Sohn hat die Erfahrung der Gottlosigkeit durchgemacht. Schließlich zeigt es, dass der vom Erlöser offenbarte Gott eine Trinität ist. Nur wenn der Geist, als „das Band der Liebe“ zwischen dem Vater und dem Sohn, Vater und Sohn in ihrer Entfremdung im Abstieg wiederherstellen kann, kann die Einheit des Offenbarten und Enthüllten erhalten bleiben. In dieser letzten Erniedrigung des „forma servi“ leuchtet das glorreiche „forma Die“ durch seinen tiefsten Ton der sich selbsthingebenden Liebe hindurch.

Die Auferstehung

Mysterium Paschale konnte jedoch kein Bericht über das österliche Geheimnis, das Geheimnis des Osterfestes, sein, es sei denn, es ging nach dem Schicksal des Gekreuzigten selbst weiter zur Annahme seines Opfers durch den Vater. Wir nennen die Wiedervereinigung Auferstehung, der Rückgang zum Vater. Obwohl die Rolle des leeren Grabes nicht überspielt wird – was schließlich ein Zeichen ist, mit all den Einschränkungen, die dieses Wort impliziert, beharrt Balthasar in einer Weise darauf, dass der Vater bei der Erhebung des Sohnes nicht auf die pure Zeugung zurückgreift, d.h. er erhebt den Sohn in Sichtbarkeit, anstatt ihn in den vorgeburtlichen Zustand des unsichtbaren Wortes zurückzubringen. Die Erscheinungen der Auferstehung sind keine visionären Erfahrungen, sondern persönliche Begegnungen, auch wenn die Auferstehung selbst durch kein Konzept, keinen Vergleich angemessen gedacht werden kann.

Die Kirche bleibt

Schließlich bietet Balthasar in seinem Bericht über die „typische“ Bedeutung so unterschiedlicher Zeugnisse der Auferstehung wie Petrus, Johannes und der Frauen eine tiefgründige Interpretation der Zusammensetzung der Kirche, die aus dem österlichen Geheimnis Christi hervorgegangen ist. In seiner Darstellung des Zusammenhangs zwischen den männlichen und weiblichen Elementen in der Gemeinschaft des Gekreuzigten und Auferstandenen – der Amtskirche und der Kirche der Liebe – bestätigt Balthasar, dass das, was die wahre Tiefe der Kirche ausmacht ist, wie der abschließende Abschnitt des Mysterium Paschale zeigt, ist die eheliche Reaktionsfähigkeit der Empfänglichkeit und des Gehorsams gegenüber dem Jesus Christus, der als Haupt der Kirche „immer wieder neu in sein eigenes Wesen diejenigen eintaucht, die er als seine Jünger aussendet“.
  Pater Aidan Nichols OP ist Priester und Theologe. Von 2006 bis 2008 war er der erste seit der Reformation Lehrbeauftragte für die Katholische Theologie an der Universität in Oxford. Derzeit Subprior des Dominikaner-Priorats St. Michael in Cambridge.  HIER der Wikipedia-Beitrag über ihn. 

Theologie bei der Krippe

Ist die Weihnachtsnacht das nächste Jahr spurlos an uns vorbeigegangen? Das Knien vor dem Jesuskind endete wieder mit zügigem Weiterlauf? Oder können wir etwas Dauerhaftes in unser theologisches Schaffen mitnehmen?

Eine Weihnachtsmeditation zu Lk 2,15-20 von Pater Winfried M. Wermter CO

 

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Die Hirten sind mit etwas Neugierde, aber auch im Vertrauen auf ihren gesunden Menschenverstand und eingebettet in ihren traditionellen Glauben Israels unterwegs nach Betlehem. Für sie war die Erscheinung der Engel nicht allzu wirklichkeitsfremd. So etwas war im allgemeinen Verständnis vorhanden – eigentlich etwas Normales in der Geschichte Israels. Nun, sie gehen und schauen, was los ist. Und sie finden alles so, wie es gesagt worden war. Also sie sind fest überzeugt und berichten im Stall (oder in der Grotte), und sie erzählen überall dort weiter, wo sie sonst noch jemand antreffen. Sie werden ihr Leben lang berichtet haben. Dann kehrten sie zurück zu ihren Herden und dort sind sie auch geblieben. Wohl waren sie gespannt: Was wird wohl einmal aus all dem werden?

Maria aber!

„Maria aber“  – so lesen wir weiter –  (und das ist hier ein ganz wichtiges Aber!) – für Maria ist der Bericht der Hirten doch mehr, viel mehr. Sie weiß schon etwas von den neuen Plänen Gottes, aber sie übereilt nichts. Sie denkt weiter und weiter nach. Denn Maria ist zunächst die große Denkerin. Wenn wir jetzt ein Stückchen zur die Erscheinung des Engels mit der frohen Botschaft zurückblenden dürfen – was deutet sich da schon an? Da kommt doch das Wesen der Theologie zum Vorschein! Hans Urs von Balthasar betont diese drei Schwerpunkte: Theologie  geht hervor aus dem Staunen, ist untrennbar vom Leben und vollendet sich auf Knien, also in der Anbetung. Das ist Theologie – ein wunderschöner Dreiklang aus der Symphonie des Himmels!

Und genau das ist schon sichtbar bei der Verkündigung. Maria erstaunt bis hin zum Erschrecken. Es ist ein gewaltiges Erstaunen bei der Begegnung mit dem Boten Gottes. Aber sie verliert nicht den Kopf, sondern sie denkt nach. Sie  grübelt jedoch nicht in einem Elfenbeinturm abstrakter Überlegungen, sondern möchte verstehen, was die Botschaft zunächst einmal für sie persönlich bedeutet. Sie integriert die Ankündigung in ihr Leben, indem sie die Pläne Gottes zu ihren eigenen macht, aber nicht, um Gottes Pläne zu ändern. Sie steht zu Verfügung für das, was Gott will. Und dann fehlt auch nicht das Knien, das hier nicht physisch zu verstehen ist, sondern als Ausdruck der Hingabe deutlich wird: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn.“  Das ist das vollendete Knien, das voll Ja auch über das eigene Verstehen hinaus. Denn bei allem Nachdenken über die Pläne Gottes bleibt doch mehr offen als im Moment verstanden werden kann. Und Maria gibt ihr trotzdem ihre volle Zustimmung auch zu den noch dunklen Plänen Gottes. Das ist Theologie: Maria, die bis zum Erschrecken staunt, aber nicht den Kopf verliert, sondern nachdenkt, das, was von Gott kommt, in ihr Leben und sich selber in die Pläne Gottes integriert, und schließlich auch noch dem zustimmt, was weiter dunkel bleibt und noch weiter zu entdecken ist.

Theologie des Herzens

Auch heute hören wir bei der Begegnung mit den Hirten wieder dieses „Maria denkt nach“. Das ist die Fortsetzung der „Theologie“ Mariens: Sie „bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen.“  Also nicht nur im Verstand, sondern im Herzen ist – nach biblischem Verständnis – das ganze Leben mit einbezogen. Sie denkt darüber nach, und richtet sich weiter danach aus, lässt sich weiter überraschen. (…)

Jetzt sind auch wir eingeladen zu staunen, Weihnachten in unser Leben zu integrieren und uns in die gesamte Fortsetzung der Inkarnation. Vollendet wird dann diese Anteilnahme an der Menschwerdung, durch das „Venite adoremus“, das wir nicht nur in unseren Weihnachtliedern anklingen lassen wollen, sondern auch durch unser ganzes Leben einlösen wollen.

Und das Wort ist Fleisch geworden!

Weihnachten, überall schöne Dekorationen, lächelnde Gesichter, Glanz, Glitzer und künstlicher Schnee. Dahinter viel Hektik, Stress und Vorbereitungen. Das Jesuskind feiert Geburtstag. Ja. Es handelt sich dabei aber nicht um einen süßen Familienfeiertag, sondern um den Einbruch Gottes in die Welt! Wir dürfen uns freuen. Es ist aber keine kitschige Kuschelfreude. Es ist die Gewissheit, dass wir erlöst sind.

von Prof. Dr. Anton Štrukelj

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Das mächtige Kind

Die Menschwerdung Gottes ist ein so furchterregendes Geheimnis, daß man vor dem Unbegreiflichen, scheinbar höchst Skandalösen im Tiefsten eigentlich zu erschrecken hat. Paulus nennt dieses Geheimnis den Wahnsinn Gottes (1 Kor 1,18.21,23,25) und redet davon nur „in Schwäche, Furcht und viel Verzagtheit“ (ebd. 2,3).

„Was kann Gott bewegen“, fragt von Balthasar, „sein ›allmächtiges Wort‹, durch das er ›die Welt trägt‹ (Hebr 11,3), in unser Fleisch‹ zu senden, das weder eines tragenden Wortes mächtig ist noch das Gehör hat, das alltragende Wort verstehend zu hören? An den Engeln vorbei, die vielleicht davon etwas verstanden hätten (Hebr. 2,5), hat er seine abschließenden Schritte auf das ›Fleisch‹ zu gelenkt, nach Oetingers bekanntem und treffendem Wort: ›Leibliche Unzerstörbarkeit ist das Ende der Werke Gottes.“[1]

Die Sprache der Menschen

Weshalb wollte Gott ausgerechnet „Fleisch“ werden? Weshalb wollte er sich, wie Clemens von Alexandrien sagte, dieser Harfe „mit ihren tausend Klängen“ bedienen, um auf ihr und mit ihr zusammen Gott zu loben?

Der leibliche Mensch wird, nach Irenäus, in die Mitte des Alls gestellt als das kunstvolle Gebilde Gottes, das der Vater durch die Hände seines Sohnes und Geistes geformt hatte und das durch die ganze Heilsgeschichte hindurch der eine Dialogpartner Gottes bleibt. Wir wissen, wie sehr dieses in die Mitte der Welt exponierte, zarte, nackte, der Hegung bedürftige Wesen zerbrechlich und hinfällig ist. Man muss geradezu von „ungeheurer Versuchbarkeit“ des Menschen reden[2]. Aber die „kelchhafte“ Existenz des Menschen ist zugleich „zur Hineinaufnahme aktualer Erfüllungen nach oben hin offen“.

Balthasar sagt: „Die Sprache des Fleisches, die auch Jesus spricht, ist die Sprache des leiblich-geistigen Menschen, der als vergängliches, allseits bedürftiges und bedrohtes Geschöpf die Mitte der Schöpfung Gottes bildet und der zu anderen Menschen spricht. (…) Als konkreter Mensch, der Jesus ist, redet er anders und viel reicher, seine Sprache gleicht einer Orgel mit vielen Registern, und er wird nacheinander sich all dieser Register bedienen“.[3]

Man kann drei Hauptsphären unterscheiden: Jesus selber wird als der „Ausdruck“ (Hebr 11,3), als das „Bild“ (2 Kor 4,4; Kol 1,15) und als das „Wort“ (Joh 1,1f) bezeichnet. Diese drei Grundformen der Sprache werden ausreichend beschrieben. Aber in der Offenbarung Gottes geht es um viel mehr als um ein Problem der Sprache: Gott offenbart den Menschen durch seinen Sohn eine Tat, von der die erklärende Rede nur ein Teil ist. Diese allmächtige und „schweigende Tat“ hat den Vorrang vor allen gesprochenen Worten, denn er, der menschgewordene Logos, ist die personhafte Offenbarung Gottes. Deswegen darf nicht verwundern, daß Jesus dreißig Jahre verborgen gelebt und nur knapp drei Jahre gewirkt und gepredigt hat.

Der Ausdruck Gottes

Schon im Alten Testament besagt der Ausdruck „dabar“ für uns erstaunlicherweise sowohl „Wort“ wie „Sache“, „Begebenheit“, „Ereignis“. „Gottes Wort ist seine freie, souveräne, begnadende und einfordernde Tat… Mit der Macht einer Bombe kann ›der Herr ein Wort gegen Jakob schleudern, und dieses fällt auf Israel‹ (Jes 9,7)… Vom Alten Bund her ist eindeutig, daß die Bezeichnung ›Wort‹ für Jesus mehr meint als bloße Rede, vielmehr einen totalen ›Ausdruck‹ Gottes mit dem Schwergewicht auf einer herrscherlichen Tat“.[4]

Das Wesentliche an der Selbstaussage Gottes in Jesus Christus ist eigentlich die lebendige Wirklichkeit des Mit-Seins: Er ist Emmanuel, Gott-mit-uns. Die übergroße, erbarmende Liebe „zwang“ den Sohn Gottes, Mensch zu werden; und darin wurde die Menschenfreundlichkeit Gottes kund. Das Wort Gottes wird Fleisch, nicht um zu uns zu reden, sondern um unter uns zu „wohnen“ (Joh 1,14), wörtlich „sein Zelt aufzuschlagen“, in einer viel intimeren Weise, als dies mit dem Zelt in der Wüste geschah (Ex 25,8f). „Das Wundersame liegt in seinem Zu-uns-kommen (Joh 1,9), nicht in seinem Reden. Sein ›Fleischwerden‹ ist die wesentliche Aussage, auf die alles ankommt.

Freiheit und Versuchung

Die vollständige Realität der Menschwerdung ist auch im Spannungsfeld zwischen Freiheit und Versuchung sichtbar. Der entscheidende Schlüssel für das Verständnis der Versuchungsgeschichte liegt im Gehorsam Jesu. Seine Sendung ist es, den Willen dessen zu tun, der ihn gesandt hat (vgl. Joh 4,33f). Jesus, der an der Realität „Fleisch“ Anteil erhält, kennt sie von innen her. Denn „er ist in allem ebenso versucht worden wie wir, ausgenommen der Sünde“ (Hebr 4,14; 2,18; 5,7). Das Wort „den Gehorsam zu lernen“ (Hebr 5,8) bedeutet, dass der Geist ihn in die innere Erfahrung dessen eingeführt hat, was für das „Fleisch“ Versuchung ist. Nur diese Erfahrung ermöglicht ihm die innere Erlösung des Menschen aus den Fesseln der Versuchung.

Weihnachten ist mehr als Christbaum, Leuchten und Familienfeier.

Weihnachten ist das erlösende Wirkung Gottes in die Welt.


[1] Theologik II, S. 155.

[2] Ebd., S. 209.

[3] Ebd., S. 225.

[4] Ebd., S. 261.