Knieend bei meiner ersten Heiligen Messe

Von Gastautor Tasman Westbury

Im Namen Jesu sollte sich jedes Knie beugen, von denen, die im Himmel, auf Erden und unter der Erde sind. – Philipper 2:10

Als ich mich hinkniete…

Ich bin in einer Freikirche aufgewachsen, habe aber nie wirklich eine ihrer Lehren verstanden und verbrachte mehrere Jahre als Atheist, bevor eine Reihe von Ereignissen und Zeichen mich zu dem Schluss führten, dass es eine höhere, geistliche Kraft gibt, die ich schließlich als Gott annahm. In der Osternacht wurde ich dank der göttlichen Vorsehung in die Katholische Kirche aufgenommen.

Als ich zum ersten Mal in eine katholische Heilige Messe ging, fiel mir deutlich auf, dass alle sich zur Eucharistie hinknieten. Das was mich auch zum Knien ermutigte, war, dass in der Bibel geschrieben steht: „Demütigt euch also unter der mächtigen Hand Gottes, damit Er euch zu gegebener Zeit verherrlichen kann“. (1. Petrus 5,6)

Wenn du etwas in dir fühlst, solltest du auch in der Lage sein, das in einer Geste auszudrücken. Die Geste soll eine klare und präzise Darstellung deines Glaubens sein. Demut drückt sich nicht in großen, lauten Gesten aus. Demut ist ruhig und klein in der physischen Erscheinung. Es geht nicht darum, Aufmerksamkeit oder Zustimmung zu suchen, sondern um den Verzicht auf sich selbst in einem bestimmten Moment, zum Wohle eines anderen.

Das bedeuten „knien“ für mich

Knieen ist eine Geste, sich angesichts der Gegenwart Gottes ruhig und klein zu machen, sich in der Gegenwart Gottes klein zu fühlen, damit wir erkennen, dass wir wie Gras sind, das hier an einem Tag wächst und am nächsten verschwunden ist (vgl. Psalm 103,15-16; 1 Petrus 1,24). Objektiv können wir mit dem Niederknien demütig ausdrücken, dass wir unseren Wert mindern: „Wir sind absolut nichts“. Aber gleichzeitig sind wir so besonders und von großem Wert für Gott, der uns nach Seinem Ebenbild und Gleichnis erschaffen hat, der für jeden von uns gelitten und gestorben ist, damit wir an seinem göttlichen Leben der Liebe teilhaben können.

Knien kommt nicht aus irgendeiner Kultur – es kommt aus der Bibel und ihrer Kenntnis von Gott. Die zentrale Bedeutung des Kniens in der Bibel ist sehr konkret zu erkennen. Allein das Wort proskynein kommt im Neuen Testament neunundfünfzigmal vor, davon vierundzwanzigmal in der Apokalypse, dem Buch der himmlischen Liturgie, das der Kirche als Maßstab für ihre eigene Liturgie präsentiert wird. (vgl. Ratzinger, Geist der Liturgie)

Keine Theologie ohne Gott

Ich wünsche Euch allen, dass ihr die Bedeutung des Kniens neu lernt und erkennt, denn wer knien kann, erkennt am besten Gottes Größe und Macht. Seine Größe und Macht ermöglichen überhaupt das theologische Schaffen des Menschen. Wenn wir die Größe Gottes nicht mehr vor Augen haben, haben wir das Zentrum unseres theologischen Schaffens bereits verloren, aus dem alles andere entspringen soll. Wir betreiben eine Selbstvergöttlichung auf Kosten Gottes statt einer wirklichen Theologie, in der es um Gott geht.

 

Tasman Westbury ist neu in der katholischen Kirche, erkundet derzeit die Schatzkammer der Kirche, die sich im Gebetsleben befindet.

Der Artikel entstand in Mitarbeit mit Ignitum Today.