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Teil V: Ein Opfer der Kirche?

KURS: Das Heilige Messopfer
Teil 5: Das Opfer der Kirche?

von Jean Elizabeth Seah und Sr. Gabriela Wozniak

Wir haben gesehen, wie sich das Opfer der Eucharistie in verschiedenen Opfern des Alten Testamentes vorbildet. Etwa für den Autor des Hebräerbriefes durften diese Zusammenhänge noch klar sein. Die Kirchenväter nehmen ebenso das Alte Testament in Betracht, wenn sie von der Eucharistie sprechen. Hans Urs von Balthasar schafft es, aus diesem Hintergrund, sowie mit Hilfe seines umfassenden theodramatischen Konzeptes, die Eucharistie neu zu lesen: sie wird für einen jeden von uns lebendig und lebbar.

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Fragen über Fragen

In einem 1985 publizierten Artikel (siehe: IKaZ Communio 14/1985, S. 236-241) fragt Balthasar im Hinblick auf den Opfercharakter der Eucharistie: Inwiefern ist die Eucharistie als ein Opfer der Kirche anzusprechen? Er weist darauf hin, dass in der Eucharistie selbst mit der Bezeichnung „Opfer“ sowohl „diese heilige und makellose Opfergabe“ (hostia), als ein „Lobopfer“ (hostia laudis) gemeint ist. Was verbirgt sich aber unter diesen Bezeichnungen? Sind es die Gaben unserer Hände, oder schon das Opfer Christi, das in der Kirche vergegenwärtigt wird? Auch nach der Wandlung bleibt die Frage offen, ob die Kirche das Opfer Christi dem Vater „bloß dankbar darreicht“, oder ob sie sich mit dem Opfer Christi zusammen selbst opfert?

Das einmalige Opfer

Balthasar sieht die Notwendigkeit der Vor-Begründung des Opfers Christi im Alten Testament ein, er betont aber, dass die Einmaligkeit des Kreuzes schließlich alles Alttestamentliche hinter sich lassen muss, um das Besondere des Opfers Christi im vollen Glanz leuchten lassen zu können. Im Akt der Selbstopferung Christi – als das geschlachtete Lamm – zeigt sich als Erstes die unbegreifliche Liebe Gottes, die Christus zur stellvertretenden, freiwillig auf sich genommenen Sühne macht. Deshalb ist die Form der Eucharistie – als die unblutige Vergegenwärtigung des einst geschehenen Kreuzereignisses – nur ungenaues Wiedergeben des innersten Wesens. Es geht dabei weniger um eine rein leibliche Trennung von Leib und Blut, als um einen geistigen Zustand. Jesu Opfer war der größte Verzicht des Sohnes Gottes, der in intimster Nähe zum Vater lebt: Er nahm die Gottverlassenheit auf sich.

Das Opfer als Verzicht

In allen besprochenen Opfern des Alten Testamentes finden wir immer ein Konstitutivum: Opfer bedeutet Verzicht, man hat immer das Beste geopfert, bis hinein in die heroischste Absicht Abrahams. Gott ersetzte die menschliche Erstgeburt durch eine tierische, er schonte aber den eigenen Sohn nicht (vgl. Röm 8,32). Ist dieses größte Opfer zusammenzusetzen mit dem Wenigen, was die Kirche gibt? Selbst die Verzichte der ersten Gemeinde auf Eigenbesitz wären hier unwahrscheinlich klein, geschweige denn die sich daraus entwickelnde Messstipendien und Kollektensammlungen, die als Anteil des Volkes Gottes am Opfer der Kirche vielfach verstanden wurden. Aber hat dieses winzig kleine Opfer irgendwas noch mit dem Opfer Christi zu tun?

Christus selber nahm die Kirche, seinen Leib in sein Opfer mithinein: Für sie heilige ich mich (Joh 17,19). Das besagt ferner, dass jedes menschliche Leiden, das um Christi Willen angenommen wurde, nicht nur bloße Nachfolge bedeutet, sondern als Teilnahme an seinem Kreuzesopfer gewertet werden darf und soll.

Ein Opfer der Kirche

Erst aus dieser Sicht heraus kann man die Frage stellen, ob denn die Kirche nicht nur „mitgeopfert wird“, sondern ebenso aktiv „mitopfert“. Die Kirche als Ganzes und als je konkrete Gemeinde hat einen existenziellen Anteil am Opfer Christi, sowie sie schon Maria, dem Lieblingsjünger und anderen unter dem Kreuz zugemutet wird, auch wenn es nur Ja zu seinem Schmerz bedeutet. Darin kommt auch deutlich zum Ausdruck, dass die Eucharistie, wie ihre Verkündigung nicht ein bloß formeller, sondern vor allem ein existenzieller Akt der Kirche ist, dass folglich die Kirche das leistet, „was an den Leiden Christi noch fehlt“ (Kol 1,24), das heißt: all das „wofür der Gekreuzigte eine Stelle in seinem Leiden offengelassen hat: für das aktive Jawort von Maria, Johannes, Petrus und all derer, für die sei stehen“ (Balthasar).

Das liebende Ja soll also von der Kirche immer neu gesprochen werden, um einen alttestamentlichen legalistischen Opferbegriff hinter sich zu lassen und in ein Opfer der lebhaften Heiligkeit zu treten, so wie das Maurice de la Taille beschreibt:

„Schreit doch wirklich auf den Altären der Kirche Christi Blut, und es schreit durch unseren Mund und durch unser Herz in dem Maße, als ihm von uns eine Gelegenheit zum Schreien gewährt wird“.

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